Axel-Springer-Verlag

Umfassende Nachfolgeregelung

Friede Springer überlässt Mathias Döpfner einen Teil ihrer Aktien

Friede Springer schenkt dem Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer (WELT, „Bild“), Mathias Döpfner, einen großen Teil ihrer Anteile an dem Medienkonzern

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Friede Springer schenkt dem Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer (WELT, „Bild“), Mathias Döpfner, einen großen Teil ihrer Anteile an dem Medienkonzern. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur haben die beiden diesen Schritt erläutert und erklärt, was noch kommen wird.

Frage: Frau Springer, Sie überlassen Mathias Döpfner rund 19 Prozent des Grundkapitals von Axel Springer. Damit hält er künftig mit rund 22 Prozent ähnlich viele Anteile wie Sie. Dazu nimmt er künftig die Stimmrechte für Ihr verbleibendes Aktienpaket wahr. De facto ist er damit Ihr Nachfolger. Warum tun Sie das?

Friede Springer: Mein Wunsch ist, für Kontinuität bei Axel Springer zu sorgen, und das habe ich jetzt getan. Die Zukunft von Axel Springer ist mir mein ganzes Leben lang wichtig. Ich bin 78 Jahre alt. Jetzt ist für diesen Schritt genau der richtige Zeitpunkt. Ich bin sehr glücklich, mit Mathias meinen Nachfolger gefunden zu haben. Und mich freut daneben auch, dass durch den Aktienkauf von Mathias die Stiftung finanziell gestärkt wird, sie ihre Stiftungszwecke zukünftig also noch kraftvoller verfolgen kann.

Frage: Frau Springer, ist Ihre Entscheidung der Auftakt Ihres schrittweisen Rückzugs aus Ihrem Unternehmen? Wie lange bleiben Sie noch im Aufsichtsrat?

Friede Springer: Ich hänge am Haus. Und ich habe nicht vor, mich zurückzuziehen und alles loszulassen. Ich bin dem lieben Gott dankbar für jeden Tag, den ich dem Verlag und meiner Stiftung widmen darf. Ich bleibe im Aufsichtsrat und im Aktionärsausschuss. Ich möchte nur sicher sein, dass, wenn mir etwas passiert, ich bei Mathias unser Verlagshaus in den richtigen Händen weiß.

Frage: Herr Döpfner, grob überschlagen müssen Sie 276 Millionen Euro für den Erwerb der 4,1 Prozent Aktien finanzieren. Sie sind als Chief Executive Officer der Axel Springer SE aber ohnehin der einflussreichste Manager im Haus – warum engagieren Sie sich derart?

Mathias Döpfner: Axel Springer ist mein Leben. Ich wollte immer den unruhigen Schlaf des Unternehmers und nie nur Manager sein. Aus diesem Grund habe ich schon 2006 ein Aktienpaket von zwei Prozent gekauft und mich dafür hoch verschuldet. Jetzt ist es mein Wunsch, noch mehr zu investieren. Denn ich glaube an das Potenzial von Axel Springer. Das Beste liegt noch vor uns. Es ist eine glückliche Fügung, dass sich Friede Springers Wunsch, ihre Nachfolge zu regeln, und mein Wunsch, mich noch intensiver unternehmerisch zu binden, so perfekt ergänzen.

Frage: Herr Döpfner, werden Sie in den Aufsichtsrat wechseln, oder bleiben Sie weiter operativ tätig? Sie wurden zudem erst kürzlich einstimmig als Präsident des Bundesverbands der Digitalpublisher und Zeitungsverleger wiedergewählt.

Mathias Döpfner: Daran wird sich nichts ändern. Ich bleibe Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und auch BDZV-Präsident.

Friede Springer: Ich kenne und schätze Mathias seit 20 Jahren, wir sind ein bewährtes Team, und das wird auch so bleiben. Wir haben einen hervorragenden Vorstand, und wir werden gemeinsam mit unserem neuen Partner KKR dafür sorgen, dass Axel Springer auch weiterhin Axel Springer bleibt: ein erfolgreiches unabhängiges Medienunternehmen, ein journalistisches Haus mit klaren Werten. All das wird unter der Führung von Mathias weiterhin bleiben.

Frage: Frau Springer, bereits 2016 haben Sie in einem dpa-Interview angekündigt, sich noch stärker für Ihre Stiftung engagieren zu wollen und Ihre Nachfolge zu regeln. Warum hat es doch so verhältnismäßig lange gedauert?

Friede Springer: Für mich ist es jetzt der ideale Zeitpunkt. Für die Absicherung des Verlags und meiner Stiftung. Es fühlt sich richtig an.

Frage: Frau Springer, dies ist ein großer Schritt für Sie. Sie haben signalisiert, dass Mathias Döpfner Ihr uneingeschränktes Vertrauen genießt. Werden ihm später auch die anderen Anteile zufallen?

Friede Springer: Entscheidend für den Verlag sind die Stimmrechte, und die werden zukünftig von Mathias ausgeübt werden. Im Übrigen möchte ich meine verbleibenden Anteile später in eine gemeinnützige Gesellschaft überführen.

Frage: Herr Döpfner, neben Ihnen und den Enkeln von Unternehmensgründer Axel Springer hält die US-Beteiligungsgesellschaft KKR rund 47,6 Prozent der Aktien. Wie haben Sie KKR von diesem Schritt überzeugt?

Mathias Döpfner: Diese Entscheidung hat Friede Springer getroffen. Selbstverständlich war KKR hier informiert und begrüßt diesen Schritt. Private-Equity-Investoren begrüßen es grundsätzlich, wenn Manager auch Eigentümer sind.

Frage: Herr Döpfner, Sie können jetzt dem Unternehmen – vereinfacht gesagt – noch mehr den Weg weisen: Wohin führt Springer dieser Weg?

Mathias Döpfner: Wir bleiben bei unserem Kurs. Denn wir glauben fest an die Zukunft von digitalen journalistischen Angeboten und Rubriken. Dabei liegt der Fokus in den nächsten Jahren nicht auf kurzfristiger Gewinnoptimierung, sondern auf längerfristiger Wachstumsbeschleunigung. Ich glaube, die neue Regelung ist eine gute Nachricht, nicht nur für Friede Springer und mich, sondern für das Unternehmen und seine Mitarbeiter, denn Axel Springer hat jetzt langfristig Klarheit und Verlässlichkeit hinsichtlich der Unternehmensführung.

Frage: Frau Springer, immer wieder gibt es Kritik an den journalistischen Produkten Ihres Hauses, zuletzt wieder an der „Bild“-Zeitung wegen der Bloßstellung eines Kindes im Solinger Mordfall. Welche Art publizistischer Linie soll Mathias Döpfner mit seinem neuen Einfluss verstärken?

Friede Springer: Natürlich passieren Fehler, und damit muss man offen umgehen. Und so wird das auch praktiziert.

Frage: Herr Döpfner, wenn Sie einem in der deutschen Medienszene nicht bewanderten Menschen Ihre Karriere in den vergangenen 20 Jahren in einem „Bild“-Zeitungs-tauglichen Satz erklären sollten – wie würde dieser Satz lauten?

Mathias Döpfner: Ich hatte als Boulevardjournalist nie eine besondere Begabung. Ich probiere es mal: „Er kam, um zu bleiben.“

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